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Schon in frühen Kindertagen vom Köln-Fan zum Eintracht-Fan konvertiert, ist Henni heute noch bekennender und engagierter Anhänger des einzigen hessischen Vereins, der im Allgemeinen in der 1. Bundesliga spielt. Seine großen Idole sind Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski, die er früher so sehr verehrte, dass er sogar seine beiden Meerschweinchen nach ihnen benannte.
Im August 2008 veröffentlichte Henni seinen Song für die Eintracht "Herz rotschwarz gestreift", der von den Fans super aufgenommen wurde und gerade in der zweiten Hälfte der Saison 2010/2011 große Bedeutung erlangte, als die Eintracht zum 4. Mal in der Vereinsgeschichte in die 2. Bundesligea absteigen musste. Henni setzte zu diesem Zeitpunkt noch mal ein deutliches Zeichen und wurde zahlendes Mitglied seines Lieblingsvereins.

Doch neben Fußball wurde in Frankfurt bis zum Ende der Saison 2009/2010 auch erstklassig Eishockey gespielt. In der Saison 2003/2004 wurden die Frankfurt Lions sogar Deutscher Meister. Henni war live in der Eissporthalle dabei, als die Lions am 16. April 2004 den Titel in einem nervenaufreibenden Spiel gegen die Eisbären Berlin gewinnen konnten.

"Gell, du kleines Gummihuhn, den nächsten ungerechten Schiedsrichter beißt du mal ganz furchtbar ins Bein!"

Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Henni gebeten wurde, als musikalisch versierter Fan der Lions einen Song für die Heimspiele der Lions zu schreiben. Das kleine Problem war nur, dass Henni kein Freund von Liedern ist, in denen der eigene Verein beweihräuchert wird. So entstand “Kühler Kopf und Hessisches Herz”, nachdem er in der Zeitschrift das Foto eines Eishockeyspieler gesehen hatte, der quasi zahnlos in die Kamera lächelte. Die Zeile “Wer braucht schon alle Zähne, wer braucht schon sein Gebiss, wenn es dafür Deutscher Meister ist” war die Grundlage des Liedes, das im November 2004 vor einem Heimspiel gegen die Nürnberg-Icetigers in der Eissporthalle uraufgeführt wurde und dann vor jedem Heimspiel zu Gehör gebracht und von den Fans eifrig mitgesungen wurde. Die Zeile “wenn er dafür Deutscher Meister ist” wurde im Mai 2005 unter Mitwirkung einiger Fans in “wenn er dafür stolzer Löwe ist” geändert und als “Für-immer-Version” auf den Markt gebracht.

Uraufführung des Lions-Songs in der Frankfurter Eissporthalle im November 2004

Im Juli 2010 mussten die Frankfurt Lions leider Insolvenz anmelden. Doch das bedeutete nicht das Aus für Eishockey in Frankfurt. Die 1. Mannschaft der Young Lions spielte von September 2010 bis März 2011 in der Regionalliga West und am 18. März 2011 konnte sie in den Aufstieg in die Oberliga West perfekt machen. Auch Henni unterstützt die Mannschaft, die seit der Saison 2010/2011 den Namen "Löwen Frankfurt" trägt, und besucht, wann immer es seine Zeit zulässt, die Heimspiele der Löwen.
Im Oktober 2011 veröffentlichte Henni sein zweites Eishockey-Lied, "Neue Löwen im Revier". Die CD könnt Ihr für 6 Euro plus Versandkosten im Badesalz-Fanshop bestellen oder auch bei mir. Solltet ihr den Song noch nicht kennen, findet Ihr ein Video der Song-Vorstellung in der Eissporthalle bei youtube ansehen.

Copyright @ Foto-Storch

Auf diesem Foto, das mir freundlicherweise von Sportfotograf Joachim Storch zur Verfügung gestellt wurde, sieht man Henni mit Michael Bresagk, dem Sportlichen Leiter der Frankfurter Löwen, in der Eisporthalle.


Hier noch ein Interview aus der Gießener Allgemeinen zum Thema "Eintracht Frankfurt". Henni hatte erstmalig die Aufgabe des Interviewers übernommen und man muss sagen, mit großem Erfolg!!! Natürlich ist aber ein Interview nur dann gut, wenn der Interviewte auch gute Antworten gibt - nun überzeugt Euch selbst!

SGEXtra vom 2. Februar 2008



"Ich betreibe ein Rollenspiel" 

»Gerne würde ich mit Hendrik Nachtsheim ein Interview über das Leben im Allgemeinen und den Fußball im Besonderen machen«, schrieb Heribert Bruchhagen elektronisch nach Gießen zurück. Längst hatten die Kolumnen des hessischen Comedians in dieser Zeitung den Vorstandsvorsitzenden von Eintracht Frankfurt in seinem Büro in der Commerzbank-Arena erreicht. »Ich beneide ihn um seine Wünsche und Visionen (…) und habe die Hoffnung, mich von den Gedanken des Henni Nachtsheim so inspirieren zu lassen, dass ich am Ende auch noch einmal träumen darf«, tippte Bruchhagen weiter. Wenige Wochen später prallten in seinem Büro mit eindrucksvollem Blick auf den Rasen der Frankfurter Fußball-Arena scheinbar zwei Welten aufeinander. Der in der Öffentlichkeit stets heitere Nachtsheim wurde von dem als spröde und unterkühlt geltenden Bruchhagen empfangen, aber nur wenige Worte später wurde deutlich, dass der Vorstandsboss keineswegs so ist, wie er sich auf der Fußball-Bühne präsentiert. 

Dort, wo zuvor noch der Eintracht-Vorstand – Dr. Thomas Pröckl, Heiko Beeck und Bruchhagen – zusammengesessen und über die Eintrittspreise des hessischen Bundesligisten diskutiert hatte, vertieften sich Nachtsheim und Bruchhagen in ein Gespräch über Comedy und Politik, Jürgen Klinsmann und Helmut Kohl, Schlager und Schmusemusik und natürlich über Fußball und die Eintracht.

Auch für unseren Kolumnisten Nachtsheim ging damit ein Wunsch in Erfüllung. »Ich wollte als Kind schon immer Sportjournalist werden«, erklärte der eine Teil des Kult-Comedy-Duos »Badesalz« vor Beginn des Gesprächs. Auch Bruchhagen, der von 1977 bis 1986 als Sport- und Geografielehrer am Kreisgymnasium Halle/Westfalen unterrichtet hat, gab zu, einen leichten Hang zu diesem Job verspürt zu haben. »Ich konnte als Jugendlicher vier Stunden in einem Lateinbuch lesen, habe aber alles sofort wieder vergessen. Aber was ich im ›Kicker‹ gelesen habe, das konnte ich mir alles merken«, erzählte der am 4. September 1948 in Düsseldorf-Derendorf geborene Bruchhagen. Seit Dezember 2003 arbeitet der frühere Manager von Schalke 04, dem Hamburger SV und Arminia Bielefeld in der Mainmetropole und hat die »launische Diva« in dieser Zeit zu einer seriösen, bürgerlichen, aber sehr attraktiven Dame »erzogen«. »Als ich hier anfing, war die Talsohle schon durchschritten«, hatte Bruchhagen schon bescheiden gesagt, als er seinen Vertrag im Sommer 2006 vorzeitig bis 2009 unterzeichnet hatte. Auch während des gut zweistündigen Gesprächs mit Frankfurt-Fan Nachtsheim baute Bruchhagen – nahezu unbemerkt – am Gebilde »Eintracht Frankfurt« und unterzeichnete in einer kurzen »Rauchpause« ein Fax, das wenig später in Griechenland auf einen Schreibtisch flatterte. »Wir haben soeben den griechischen Stürmer Evangelos Mantzios für 300 000 Euro von Panathinaikos Athen bis zum Saisonende ausgeliehen. Auf einen Transfer konnten wir uns nicht einigen«, sagte Bruchhagen nebenbei, während der Spielerberater des Nationalspielers im Büro von »Eintracht-Scout« Bernd Hölzenbein wartete.

»Mir war es ein Bedürfnis, Sie mal kennenzulernen. Es interessierte mich. Ich schätze Ihre Auffassungsgabe«, sagte Bruchhagen nach einem Gespräch, in dem er sich den speziellen Fragen eines besonderen Sportjournalisten gestellt hatte.

Marc Schäfer 

Hendrik Nachtsheim: »Ich habe in meinen Kolumnen das Privileg, mit sehr viel Humor an die Eintracht heranzugehen. Wieviel Humor brauchen Sie, um das tägliche Leben als Vorstandsvorsitzender auszuhalten? Oder gibt es Momente, in denen man Ihnen den Humor abspenstig macht?«

Heribert Bruchhagen: »Nein. Ich betreibe ein Rollenspiel. Das sieht vor, dass man mal ›wichtig‹ zu sein hat, mal muss man Distanz und Entschlossenheit ausstrahlen. Das entspricht aber nur bedingt meiner inneren Grundhaltung. Im Fußballgeschäft betreibe ich immer das Rollenspiel. Ich habe von der Pike auf gelernt, wie man sich zu geben hat. In Schalke habe ich mich lange gegen Medienauftritte gewehrt. Ich dachte, wenn du Gutes tust, wirst du Anerkennung bekommen. Falsch. Total falsch. Kompetenz wird dir nur durch Medienpräsenz unterstellt. Im Allgemeinen denkt man, wenn du oft im ›Doppelpass‹ sitzt, dann musst du kompetent sein.«

Nachtsheim: »Ja, das ist absurd. Über uns gab es mal eine Besprechung in der ›Rundschau‹. Der Artikel war nicht gerade positiv, aber mit großem Foto. Dann rief ‘ne Freundin an und sagte: ›Ihr seid ja in der Zeitung.‹ Ich sagte: ›Aber es ist doch kein guter Artikel.‹ Das war aber egal. Hauptsache, ein Riesenfoto war dabei. Das ist doch eine eigenartige Form von Wahrnehmung.«

Bruchhagen: »Ja, Medienpräsenz und Körpersprache sind sehr wichtig. Arroganz muss man aber verhindern. Warum das so ist, weiß ich nicht.«

Nachtsheim: »Wir sind mal in Koblenz aufgetreten. Dort ist die Bühne nicht hoch und sehr dicht an den Stühlen. Die Leute legten ihre Füße auf die Bühne. Das hatte Einfluss auf den ganzen Abend. Wir waren zu erreichbar. Auf einer großen Bühne ist der Respekt spürbar größer. Eigentlich blöd!«

Bruchhagen: »Das ist exakt richtig. Berlusconi hat einen Schreibtisch mit einem Stuhl auf einem Podest. Wenn die Spieler mit ihm sprechen, sitzen die einen halben Meter tiefer.«

Nachtsheim: »Das macht er, weil er so klein ist!«

Bruchhagen: »Wahrscheinlich!«


»Es ist ein gutes Gefühl, wenn ein junger Mensch bei der Eintracht arbeiten kann«

Nachtsheim: »Wie kommen Sie mit den täglichen Entscheidungen in dem Geschäft zurecht?

Bruchhagen: »Wenn ich die täglichen Ärgernisse habe, muss ich mich selbst therapieren. Da gibt es drei Maßnahmen: Ich bilde mir ein, gesund zu sein, obwohl ich rauche. Zweitens sage ich, dass ich einen elitären Beruf habe. Und drittens habe ich eine Geschichte, die mich mein Leben lang begleitet, von Somerset Maugham: ›Der Tag der Abreise‹. Eine irische Familie im 19. Jahrhundert. Die Eltern haben drei oder vier Kinder. Die Scholle, auf der sie leben, kann aber nur ein Kind ernähren. Die anderen müssen mit dem Schiff nach Amerika und kehren nie zurück. Die Eltern müssen entscheiden, welches Kind bleiben darf. Wenn man sich eine solche Entscheidung vor Augen hält, weiß man die Entscheidungen, die ich treffe, obwohl die auch unsympathisch und im kleinen Bereich schicksalhaft sein können, zu relativieren. So eine Entscheidung wie die irischen Eltern bei Maugham musste ich noch nie treffen. Ich nehme mir morgens zehn Minuten Zeit, mich auf Entscheidungen vorzubereiten. Ich weiß, zuerst kommt die Sekretärin, dann ein Spieler, oder wir entscheiden, ob wir Preise erhöhen oder nicht. So kann man den Tag ganz gut überstehen.«

Nachtsheim: »Ich war einmal im VIP-Bereich gegen Stuttgart beim 1:4. Ist das nicht nervig für Sie als Gastgeber zwischen so vielen Leuten?«

Bruchhagen: »Ich konzentriere mich auch da auf Fußball. Mich nerven aber die ständigen Schiedsrichterbeleidigungen. Ob ein Einwurf nach da oder dort geht, hat für ein Spiel keine Bedeutung. Zu 95 Prozent sind die Schiedsrichterentscheidungen sowieso richtig. Mich nervt es, wenn man ein Spiel zu sehr unter Lokalpatriotismus betrachtet.«

Nachtsheim: »Als Repräsentant sind Sie auch Gastgeber für Politiker. ›Badesalz‹ ist vor den Politikern immer weggerannt, um ja mit keinem fotografiert zu werden. Wie gehen Sie denn mit Sympathie und Antipathie um?«

Bruchhagen: »Ich hab mit Politik wenig zu tun. Ich verkehre auch nicht in den In-Lokalen. Ich wohne in Sachsenhausen und geh selten über den Main.«

Nachtsheim: »Haben viele Medienleute angerufen und nach einem Statement zur Wahl gefragt?«

Bruchhagen: »Ja, aber das hat mich nicht zu interessieren. Mich bewegt anderes. An dem Tag, als ich hierher kam, hatten wir 28 Mitarbeiter, jetzt sind 80 Leute eingestellt. Darauf bin ich stolz. Es ist ein gutes Gefühl, wenn ein junger Mensch bei der Eintracht arbeiten kann und ein anständiges Gehalt bekommt. Darüber freu ich mich sehr.«

»Im Fußball kannst du direkt von der 2. Kreisklasse in die Bundesliga«

Nachtsheim: »Es gibt ja, außer beim Fasching, keinen Bereich, wo Leute ohne Vorbildung so leicht Präsident werden können wie im Fußball. Ist es nicht schwer für Sie als Mann, der Ahnung vom Business hat, Entscheidungen mit Leuten zu treffen, die man im Innersten nicht so ernst nimmt?«

Bruchhagen: »Solche Leute gibt es zunehmend weniger. Aber der Fußball hat was Faszinierendes, eine hohe Öffentlichkeit. Es gibt die tüchtigsten Menschen in Frankfurt, die einen mittelständischen Betrieb leiten mit 200 Angestellten, die machen einen tollen Job – und das schon 30 Jahre. Aber die kennt kein Mensch, obwohl sie wichtiger Bestandteil unseres Staates sind. Sobald sie aber nur stellvertretender Schriftführer bei der Eintracht werden, kommen sie mehr in die Öffentlichkeit. Das macht begehrlich. Sie erleben über Nacht, dass sie anders wahrgenommen werden. Das ist eine Droge.«

Nachtsheim: »In der Politik ist das doch auch so!«

Bruchhagen: »Aber in der Politik musst du dich von unten durchkämpfen und wirst in der Mitte schon abgesägt. Im Fußball geht es blitzschnell. Das gibt es in der Politik nicht. Da musst du aus dem Stadtteil in die Stadt und dann ins Land. Im Fußball kannst du direkt von der 2. Kreisklasse in die Bundesliga.«

Nachtsheim: »Diese Leute haben für den Betrachter oft eine Mischung aus Komik und Bedrohung.«

Bruchhagen: »Aber das wird zunehmend weniger, die Vereine handeln durchdachter, vorsichtiger. Auch unser neues Konstrukt bei der Eintracht sorgt dafür. Früher konnte sich bei der Jahreshauptversammlung jeder wählen lassen, heut setzt sich der Aufsichtsrat zusammen und beruft den Vorstand. Das ist schon ein Filter.«

Nachtsheim: »Wo wir gerade bei Kompetenz sind. Auch bei Trainern hab ich das Gefühl, dass die Dummschwätzer weniger werden. Klopp und Koller zum Beispiel wirken sympathisch und durchaus kompetent.«

Bruchhagen: »Koller ist sehr gefragt. Ich weiß von Vereinen, die sehr hoch anzusiedeln sind, dass Koller dort einen guten Ruf genießt. Solche Trainer werden sich durchsetzen, weil du heute nicht nur Trainer für die Spieler bist, sondern Trainer für ein Trainerteam. Die Anforderungen an den Trainer und seine Vielseitigkeit werden höher. Er muss medial normal aufgestellt und sportwissenschaftlich gut orientiert sein und muss natürlich sein Handwerk, das Fußballgeschäft, verstehen. Da reichen Intuition und selbst ein guter Fußballer gewesen zu sein nicht mehr. Leute wie Rangnick und Klopp, die aus dem Nichts kommen, sind gefragt.«

Nachtsheim: »Es gibt ein schönes Zitat von Leo Benhakker. Der hat einmal gesagt: ›Ich bin jetzt seit 34 Jahren Trainer, da hab ich gelernt, dass zwei plus zwei niemals vier ist.‹ Was hat er damit gemeint?«

Bruchhagen: »Die Irrationalität unseres Geschäfts. Die Emotionalität. Wenn der Trainer die Mannschaft aktiv an der Linie begleitet und er verliert, heißt es: ›Der macht ja alle Spieler verrückt.‹ Wenn er ruhig sitzt und analysiert dagegen: ›Wenn ich diese Schlaftablette sehe…‹ Vielfach bestimmen die Ergebnisse die Bewertung des Trainers.«

Nachtsheim: »Noch ein Zitat: ›Der Rizzitelli und ich sind schon ein tolles Trio, äh Quartett.‹ Hat Jürgen Klinsmann mal gesagt. Jetzt ist er Bayern-Trainer. Wie sehen Sie das?«

Bruchhagen: »Klinsmann hat an sich gearbeitet. Er war ein guter Spieler. Er hat sich jetzt so weit entwickelt, dass er seine eigenen Vorstellungen zu Visionen erklärt und davon überzeugt ist, dass die Bundesliga das adaptieren müsste. Diesen Schritt gehen wir natürlich nicht mit. Wenn ich ihn angreife, dann nur, um meinen Trainer zu schützen. Am Ende ist mein Trainer nicht zeitgemäß, nur weil Klinsmann weiß, dass die Passgeschwindigkeit 1,6 Sekunden beträgt. Aber unser Trainer weiß auch, dass der Ball schnell gemacht werden muss. Das reicht.«

Nachtsheim: »Klinsmann wird mit einem Trainerteam auflaufen, die Bundesliga wird diskutieren. Aussitzen und abwarten? Was ist Ihre Strategie?«

Bruchhagen: »Abwarten. Gewissen Trends kann man sich nicht entziehen. Irgendwann hat sich der Cesar Menotti vor 20 Jahren mit Anzug und Krawatte hingestellt. Er war der einzige. Dann kam der nächste, irgendwann hat Franz Beckenbauer so dagestanden – und jetzt stehen sie bis auf Funkel oder Gerland alle so da. Die im Trainingsanzug gelten dann als konservativ.

Nachtsheim: »Ich bin großer Funkel-Fan. Ich schätze seine Art, wie er nach schweren Niederlagen die Mannschaft aufbauen kann. Ich erinnere mich an das 2:6 gegen Bremen und dann das große Spiel in Istanbul. Sie waren auch mal Trainer. Ändert das den Blick? Haben sie eine Berufssolidarität?«

Bruchhagen: »Nein, ich darf darauf hinweisen, dass ich Willi Reimann und Egon Coordes entlassen habe. Im Prinzip wähle ich den Trainer aber vorher nach gewissen Gesichtspunkten aus. Diese Kriterien gelten dann ja nach wie vor. Als ich Trainer war im ersten Jahr in Gütersloh, ich sitze im Heidewaldstadion auf der Bank, wir liegen zurück. Plötzlich steht der Präsident am Zaun und ruft: ›Heribert, auswechseln!‹ Ich hab gesagt: ›Hau ab und lass mich in Ruhe‹. Das war mir immer eine Lehre. Ich gehe nie in den Innenraum, außer zu Interviews. Da hab ich nichts verloren. Das ist der Bereich des Trainers. Wir trinken morgens um neun in meinem Büro Kaffee mit Bernd Hölzenbein. Dann erfahre ich die Dinge. Aber sonst hab ich viel zu viel Respekt vor dem Traineramt, als dass ich da rumturne. Funkel ist in entscheidenden Momenten sowieso extrem nervenstark.«

Nachtsheim: »Sie reden ihm also gar nicht rein? Ich wünsche mir, er soll eine Spur innovativer werden, was die jungen Spieler angeht.«

Bruchhagen: »Ich denke auch manchmal, warum wechselt er nicht. Aber damit darf man nicht anfangen. Man gibt sein Vertrauen und die Verantwortung in Gänze. Ich lieg auch nicht immer richtig. In Stuttgart hätte ich Meier ausgewechselt – und dann schießt der das 2:2. Entweder hat man eine blonde Frau oder eine schwarzhaarige. Alles kann nicht erfüllt werden. Bei einer Trainerentscheidung muss man mit allem leben – auch dass man vielfach anders denkt, als er unten handelt.«

Nachtsheim: »Das Verhältnis zwischen Ihnen und Funkel wirkt nach außen sehr solidarisch…«

Bruchhagen: »Ja, aber das bedeutet nicht, dass wir abends noch zusammen einen trinken gehen.«

Nachtsheim: »Angenommen es gibt eine Krise. Sie stehen vor der Trainerfrage…«

Bruchhagen: »Deswegen gebe ich ihm nur Einjahresverträge. Wenn es darum geht, Trainer zu entlassen, sind in unserem Umfeld alle schnell dabei.«

Nachtsheim: »Ja, dem Brudermord ist in Frankfurt keiner abgeneigt..!«

Bruchhagen: »Wenn du den Trainer entlassen willst, hast du freien Lauf. Wenn die Lawine ins Tal rollt, hast du keine Chance. Ich muss die Vereinsinteressen höher bewerten als die persönliche Einschätzungen. Deswegen gibt es nur Einjahresverträge. Das mach ich nicht aus Überzeugung, sondern aus der Rückwärtsbetrachtung unseres Vereins.«


»Ich habe Erfahrung. Montags war bei uns im Wohnzimmer Vorstandssitzung«

Nachtsheim: »Darf ich da einhaken. Als Sie hier anfingen, habe ich gedacht, hoffentlich hat er einen Schutzanzug dabei, weil ich der Überzeugung bin, dass der Riederwald von einem ›Drecksackvirus‹ befallen ist, weil auch integere Leute hier charakterlich abgestürzt sind. Ich bilde mir ein, dass ich mich charakterlich verändere, wenn ich hier nur eine Karte hole. Wie haben Sie es geschafft, dass sich vor allem auch die Außenwahrnehmung der Eintracht positiv verändert hat?«

Bruchhagen: »Ich habe eine große Vereinserfahrung. Mein Vater war erster Vorsitzender der TSG Harsewinkel und wurde sonntags beschimpft von den Fußballern, weil er Turner und Leichtathlet war und die Fußballer den Bus selbst bezahlen mussten. Montags war bei uns im Wohnzimmer Vorstandssitzung mit allen Abteilungen. Diese Erfahrung habe ich mitgebracht, und ich interessiere mich für die Belange des Gesamtvereins. Zudem versuche ich, dialektisch an Probleme heranzugehen, indem ich mir vorher zurechtlege, was könnten die Motive des anderen sein. Aber die Eintracht ist immer noch fragil. Das gehört zu einem Traditionsverein der Liga. Und manche Spieler von früher müssen einfach oppositionell sein. Die alten Spieler müssen verbittert sein, denn heute werden wir als Eintracht wahrgenommen, obwohl Grabowski, Körbel, Nickel und so weiter Eintracht sind und nicht wir.«

Nachtsheim: »Der Ruf der Diva ist momentan stillgelegt. Ist es aber nicht ärgerlich, dass jetzt das Mittelmaß hier als etwas Negatives dargestellt wird. Das impliziert doch Unzufriedenheit. Ich bin jedenfalls total zufrieden als Eintracht-Fan.«

Bruchhagen: »Das ist meine große Marketingaufgabe in den nächsten zwei Jahren, das etablierte Mittelfeld der Liga als positiv darzustellen. Die Liga hat sich verändert. Die Lizenzspieleretats sind so weit auseinandergegangen, dass wir zurzeit keine andere Chance haben. Jeder Spieler, der hier auf sich aufmerksam macht, wird uns von den großen Klubs weggenommen. Wir haben aber schon einen Schritt gemacht, ich kann jeden Spieler aus Duisburg, Bochum und Bielefeld kaufen. Aber so sehr wir uns nach unten abgesetzt haben, so fest wir uns auch mit den Nachverpflichtungen versuchen, im Mittelfeld zu zementieren, so weit sind wir von oben entfernt. Es ist meine Aufgabe, das unaufgeregt zu erklären, obwohl manche Fragestellungen schon Unzufriedenheit suggerieren. Kritische Berichterstattung bedeutet für manchen Journalisten, negativ kritisch zu sein.«

Nachtsheim: »Es gibt ein Foto von Ihnen mit einem Journalisten. Ihr Blick hat was von einem Wachhund, der denkt, wenn er mir blöd kommt, geh ich ihm an den Hals. Haben Sie diese Einstellung?«

Bruchhagen: »Wenn ein Journalist eine Frage stellt, die keine Antwort zulässt, er also nicht fragt, sondern ein Statement abgibt, geh ich in Lauerstellung. Wenn er mich fragt, weil er wirklich eine Antwort haben will, gebe ich die gerne.«

Nachtsheim: »Geben Sie jedem Journalisten die gleiche Chance oder sind sie misstrauisch?«

Bruchhagen: »Es gibt ganz große Journalisten, die ich sehr schätze. Valerien oder Kürten. Die hatten immer Interesse, ihren Gesprächspartner in den Vordergrund zu stellen. Heute sitzen die eigentlichen Interviewtäter aber im Ü-Wagen. Ich hasse es, wenn sie mich was fragen, aber an der Antwort nicht interessiert sind, weil sie ihre Meinung schon gebildet haben.«

Nachtsheim: »Was ist denn die dümmste Frage, die Ihnen gestellt wurde?«

Bruchhagen: »Zum Beispiel: ›Ihre beiden Stürmer Fenin und Amanatidis fallen aus. Sehen Sie darin eine Schwächung?‹ Die Fragen sind so typisch. Die beste Frage ist: ›Wie sehen Sie das Spiel.‹ Dann kann ich sagen, was ich denke. Eine dumme Frage war auch – nach dem 1:1 in Schalke: ›Ist Ihr Spiel nicht zu defensiv ausgelegt?‹ Unser Spiel war nicht defensiv ausgelegt, Schalke hat uns so an die Wand gespielt, dass wir nicht aus unsere Hälfte herausgekommen sind.«

Nachtsheim: »Wir werden oft gefragt, ob es nicht zu viel Comedy im Fernsehen gibt. Wir versuchen seit Jahren mit ›Badesalz‹ keine Inflation zu betreiben. Wir haben mehr TV-Auftritte ab- als zugesagt… Aber ich wollte eigentlich auf etwas anderes hinaus. Gibt es zu viel Fußball im Fernsehen?«

Bruchhagen: »1992 wechselte die Bundesliga von RTL zu Sat1. Da hab ich auf einer Tagung gesagt: ›Wenn Sie fünf Spiele live zeigen und parallel dazu die Bundesliga spielt, machen sie die Stadien leer.‹ Ich hab zu 100 Prozent Unrecht gehabt. In der Folge gab es immer mehr Fußball im TV und die Zuschauerzahlen sind immer mehr gewachsen. Das ist unglaublich.«

Nachtsheim: »Das Phänomen gibt es auch in der Comedy. Mario Barth hat mittlerweile zwei DVDs in den Topten, sein Programm lief auf RTL mit einer Riesenquote und trotzdem ist er der erste Comedian, der im Juni das Olympiastadion in Berlin mit 70 000 Fans füllt. Das gab es noch nie. Alle kennen das Programm, aber rennen hin. Das ist noch erstaunlicher. Beim Fußball gibt es ja wenigstens immer noch Überraschungen.«

Bruchhagen: »Ich hab 1992 falschgelegen mit der Einschätzung, die Ware Fußball verknappen zu müssen, um die Stadien voll zu kriegen. Es ist anders gekommen. Die Konferenz bei Premiere ist für den Fan eine Topsendung. Meine Frau macht Apfelkuchen und Kakao. Ich genieße es, die Bundesliga so zu erleben.«

Nachtsheim: »Sind Sie fußballsüchtig?«

Bruchhagen: »Ja, aber es hat seine Grenzen. Wenn sonntags um 14 Uhr die Konferenz der 2. Liga beginnt, wünsche ich mir manchmal, dass meine Frau zu ihrer Mutter fährt (lacht). Meist ist der Respekt vor meiner Frau aber zu groß und ich gehe mit spazieren. Und ich muss auch noch so tun als würde ich das gerne machen« (lacht). 


»Die größte Bindung ist die Atmosphäre im Stadion. Dieses Spektakel ist enorm«

Nachtsheim: »Ich bin als kleiner Junge als Köln-Fan ins Waldstadion und als Eintracht-Fan, ohne Köln-Schal, dafür aber mit Eintracht-Wimpel, wieder raus, weil mich Hölzenbein und Grabowski begeistert haben. So hießen auch meine ersten Meerschweinchen. Diese Spieler damals sind über Jahre geblieben und waren meine Helden. Wenn heut ein Junge kommt und sich Kyrgiakos als Lieblingsspieler ausguckt, ist dieser vielleicht in einem halben Jahr schon wieder weg. Welchen Identifikationsfaktor bieten Sie den Kids?«

Bruchhagen: »Die größte Bindung ist die Atmosphäre im Stadion. Das ist die emotionale Ebene, die junge Leute an die Eintracht bindet. Dieses Spektakel ist enorm. Auch das Wir-Gefühl ist ein Grund, warum so viele Menschen zur Eintracht gehen. Die Menschen haben das Wir-Gefühl verloren, weil es keine Pfadfinder mehr gibt, keine CVJM. Familiäre und berufliche Bande gibt es auch nicht mehr so. Nur noch samstags ab 12 Uhr in der Eintracht-Kutte gibt es das Gefühl. Das ist mein Eindruck. Das ist der größte Bindungsfaktor. Einzelne Spieler haben nicht mehr die ganz große Bedeutung.«

Nachtsheim: »Ich verstehe, dass junge Spieler wechseln wollen, kann nachvollziehen, dass Streit geht – aber mitten in der Saison? Es ist nicht leicht für mich als Fan.«

Bruchhagen: »Das hängt mit dem Gehaltsgefüge zusammen. Früher hat Hölzenbein 60 000 verdient, Gerd Müller 90 000. Heute sind es andere Dimensionen. Yeboah, Stein, Bein waren nicht zu kriegen für Bayern. Heute können sie die ganze Mannschaft kaufen.«

Nachtsheim: »Emotional ist es trotzdem blöd. Manchmal hätte ich gern eine Mannschaft wenigstens noch für eine Saison.«

Bruchhagen: »Sie haben doch Oka, der ist seit 92 bei uns« (alle lachen).

Nachtsheim: »Wie ist das, wenn Sie Premier League schauen, die Spiele der großen Vereine?«

Bruchhagen: »Das ist eine andere Welt. Ich nehme das so wahr wie ein Landesligaspieler die Eintracht wahrnimmt.«

Nachtsheim: »Sie haben zwei Jahre in der 2. Liga Nord gespielt. 47 Spiele, sechs Tore. Im Schnitt 0,12 pro Spiel. Waren Sie einfach nur ein guter Vorbereiter oder ein Chancentod?

Bruchhagen: »Ich war ein Angsthase. Wenn eine Flanke in den Strafraum segelte, war mein erster Gedanke nicht, den Ball mit dem Kopf zu bekommen, sondern: ›Kommt da jetzt so ‘ne Lokomotive aus dem Tor und überollt mich?‹«

Nachtsheim: »Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie ein Tor geköpft.«

Bruchhagen: »Ich habe über 500 Spiele für Gütersloh gemacht. Wir haben uns 1974 für die 2. Liga qualifiziert und sind nach zwei Jahren mit Kalli Feldkamp als Trainer abgestiegen. Ich habe nie ein Angebot eines anderen Vereins bekommen. Das wird seine Gründe haben.«

Nachtsheim: »Sie waren 20 Jahre in Gütersloh, ihre Frau haben Sie mit 16 Jahren kennengelernt. Sie sind ein Mann der Kontinuität. Jetzt kam ein Angebot aus Wolfsburg. Würde Sie das reizen?«

Bruchhagen: »Ich habe immerhin zugelassen, ein Gespräch zu führen. Das hätte ich nicht machen sollen.«

Nachtsheim: »Wenn der Fußball-Gott sagen würde: ›Heribert, du darfst dir einen Verein aussuchen…‹«

Bruchhagen: »Da gibt es nur einen. Ich bin nur bei einem Verein Mitglied, dem FC Schalke. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich Trainer bei einem Spitzenverein der Bundesliga sein. Aber das wird selbst der Fußball-Gott nicht schaffen.«

»Ich will Fehlentscheidungen. Ich möchte, dass das Spiel so bleibt, wie es ist«

Nachtsheim: »Wenn man alten Männern, die schlecht hören, den Vorschlag macht: ›Kauf dir mal ein Hörgerät‹, sagen die – nach dem dritten Mal nachfragen: ›Nee, brauch ich net.‹ So ist es doch auch bei bestimmten etablierten Herrschaften, wenn es um Neuerungen im Fußball geht? Zum Beispiel diese langatmige Diskussion um die Torkamera, die es beim Eishockey schon lange gibt. Was ist der Grund für diese Trägheit?«

Bruchhagen: »Ich werde mir nie ein Hörgerät anschaffen. Weil ich auch einer dieser Leute bin, die weiter wollen, dass es Fehlentscheidungen gibt. Ich möchte, dass das Spiel so bleibt, wie es ist. Ich wünsche mir von unseren Spielern mehr Respekt gegenüber Fehlentscheidungen. Die Engländer stecken das weg. Der Ballack ist hier hinter jedem Schiedsrichter hergelaufen, in England traut er sich das nicht. Da müssen wir hinkommen. Zur Torkamera: Das Phänomenale am Fußball sind die für alle gleichermaßen gültigen Regeln. Am Ende kann sich nur die Bundesliga erlauben, ein Gerät für 120 000 Euro in den Pfosten zu montieren. Ich sehe das bis zur Kreisliga: gleiches Spiel, gleiche Regeln, gleiche Fehlentscheidungen. Also: Ich brauche kein Hörgerät! Außerdem habe ich mal das International Board kennengelernt. Das ist die Vereinigung der Fifa, die für Regeln verantwortlich ist. Die haben ein Durchschnittsalter von 80. Die werden nichts ändern.«

Nachtsheim: »Also ganz innovative Jungs. Wissen Sie, warum die nichts verändern? Weil die teilweise gar nichts mehr hören ohne Hörgerät. Aber was anderes: Wenn man Ottmar Hitzfeld sieht, dem kann man den Stress im Gesicht ablesen. Sie wirken immer locker. Wie bauen Sie Stress ab?«

Bruchhagen: »Ich jogge am Main.«

Nachtsheim: »Kicken Sie noch?«

Bruchhagen: »Ja, aber das tut mir weh. Ich nehme mir vor, nur dosiert zu laufen, aber dann steht es 1:1, so ein Lümmel gibt mir einen mit dem Ellenbogen und dann lauf ich schneller und schon hab ich eine Zerrung und mein Knie tut weh. Deswegen laufe ich lieber dreimal pro Woche am Main bis zur Offenbacher Schleuse.«

Nachtsheim: »Sind Sie abergläubisch?«

Bruchhagen: »Nein, mich interessiert nicht, mit welchem Bein ich aufstehe oder welche Krawatte ich anhabe.«

Nachtsheim: »Seien sie froh. Ich bin vor Auftritten immer ein Wrack. Auf der Bühne ist es dann zum Glück weg. Vor Premieren brauche ich aber oft ein tröstendes Gespräch.«

Bruchhagen: »Sagen Sie sich doch: Was wär die Welt ohne mich. Zu diesem Selbstbewusstsein müssen wir kommen.«

»In irischen Pubs wird man zum Singen genötigt. Ich lass mir ›Help‹ auflegen«

Nachtsheim: »Dann mach ich das ab jetzt so...Was anderes: Als Musiker interessiert mich auch Ihr Musikgeschmack.«

Bruchhagen: »Ich bin da eher ›oldfashioned‹. Ich fühle mich wohl, wenn ich mit einem Bier und einer Zigarette in einer Männergesellschaft an der Theke stehe, Udo Jürgens höre – ›Ich war noch niemals in New York‹ – oder Hans Albers, oder auch Lieder wie Marianne Rosenbergs ›Er ist nicht wie du‹. Das heißt: Wir suchen eine Schlagerwelt, die wir selbst belächeln und fühlen uns da gut. Sich selbst auf die Schippe nehmen, hat damit zu tun. Ich mag auch Rio Reiser.«

Nachtsheim: »Das sind ja alles deutsche Acts. Waren Sie Beatles- oder Stones-Fan ?«

Bruchhagen: »Wir waren mal auf Klassenfahrt in Berlin. Auf der Waldbühne traten die Stones auf. Wir hatten keine Karten und kein Geld. Die Stones-Anhänger waren mir damals zu avantgardistisch. Die waren außerhalb der Gesellschaft, irgendwie unheimlich.«

Nachtsheim: »Das waren sozusagen die Ultras der Rockszene...«

Bruchhagen: »Genau. Das hatte ich immer im Hinterkopf. Auf den Kellerfeten neigte ich zu der Musik, bei der ich mit den Damen Körper an Körper tanzen konnte. Ich hatte einen Touch zu Platten wie ›Hide away‹ oder ›Black is Black‹. Ich mochte immer mehr die melodiösen Dinge.«

Nachtsheim: »Dann also eher die Beatles?«

Bruchhagen: »Ja. In irischen Pubs wird man ja genötigt, beim Biertrinken zu singen. Beim Karaoke lass ich mir gerne ›Help‹ auflegen. Wenn alle Stricke reißen, nehme ich von Tom Jones auch ›Green, green grass of home‹. Das kann jeder singen.«

Nachtsheim: »Ja das ist nicht so anspruchsvoll. Wie ist es mit Filmen? Gehen Sie gerne ins Kino?«

Bruchhagen: »Mein Ausgleich ist Fußball. Ich bin auch heut wieder gezwungen, Nigeria gegen Benin zu gucken. Hölzenbein hat mir wieder einen Spieler genannt.«

Nachtsheim: »Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mich Filme manchmal trösten.«

Bruchhagen: »Wenn ich im Kino bin, habe ich auch das Gefühl, dass ich das häufiger tun müsste, aber der Regelabend sieht anders aus. Ich habe eine exponierte Wohnung in Sachsenhausen unterm Dach. Von da aus schaue ich auf den Main und auf Frankfurt. Dann hab ich klassische Musik im Hintergrund laufen, lese Zeitung und gucke Fernsehen. Ich bin ungestört. Wilhelm Busch hat gesagt: ›Wer einsam ist, der hat es gut, weil niemand ist, der ihm was tut.‹ Das ist meine kleine Welt.

Nachtsheim: »Man liest ja immer vom ›spröden und staubtrockenen‹ Bruchhagen. Wie gehen Sie damit um? Sie sind ja alles andere als das!«

Bruchhagen: »Ich bin schon mal wortkarg und einsilbig, weil die meisten Fragen, die ich beantworten soll, einen anderen Menschen beschädigen könnten, wenn ich sie wahrhaftig beantworte. Da bin ich lieber einsilbig.«

Nachtsheim: »Wer hat Sie bislang am meisten beeindruckt?«

Bruchhagen: »Helmut Schmidt. Aber auch Helmut Kohl. Die Eigenschaft, so viel Schaffenskraft zu entwickeln, wohl wissend, dass 75 Prozent der Bevölkerung ihn ablehnen und der ›Spiegel‹ ihn zwölf Jahre gejagt hat. Das ist phänomenal.«

Nachtsheim: »Wenn Sie die Eintracht verlassen, was würde Ihnen fehlen, außer dem hessischen Hang zum Brudermord?«

Bruchhagen: »Mir gefällt es hier schon gut. Ich hab Frankfurt lieben gelernt. Vor 15 Jahren, als ich mit Schalke und dem HSV nach Karlsruhe gefahren bin, hab ich von der A5 die Türme gesehen und gedacht, ich möchte hier nie leben. Heute sieht das anders aus. Das Gesamtgebilde Frankfurt ist spannend. Was mir besonders gefällt, ist, wie hart die Hessen miteinander ins Gericht gehen in einem normalen Biergespräch. In der hessischen Mundart schlagen die nicht die feine Klinge. Die gehen mit dem Säbel aufeinander los, ohne dass sie sich böse sind. Die rohen Umgangsformen, aber eine über den Dingen stehende innere Verbindung. Das gefällt mir.«